Die beste Rolle für die Erdbeere

Keine andere essbare Frucht reift so nah am Boden wie die Erdbeere – die im angelsächsischen Raum ja eine Strohbeere ist, weil sich für die Kultivierung der Strawberrys eine Unterlage aus dickem Stroh durchgesetzt hat. So reifen die Beeren nicht unmittelbar auf der Erde und sind vor allen Dingen bei Regen geschützt vor Sand und Fäulnis. 

Im Moment kann man sie riechen, bevor man sie sieht. Ein unbeschreiblich süßer Wohlgeruch geht von den reifen Beeren aus, und das ist schon eine der Besonderheiten: Die Erdbeere gehört zu den Früchten, deren Duft mindestens so bemerkenswert ist wie ihr Geschmack. Vorausgesetzt, man greift zur richtigen Zeit zu den richtigen Sorten. Selbst wenn schon zeitig im Frühling Erdbeeren angeboten werden, widerstehen Sie den Verlockungen des leuchtenden Rots! Es wird immer Importware sein, die mit den Aromen von hiesigen Erdbeeren, die Ende Juni, Anfang Juli den Höhepunkt ihrer Saison haben, nicht mithalten kann.

Es lohnt sich gerade bei Erdbeeren, Ausschau nach dem perfekten Produkt zu halten: Suchen Sie sich einen regionalen Erzeuger. Denn nur kurze Vermarktungswege garantieren den Genuss, den wir alle suchen. Erdbeeren reifen nämlich nicht nach und halten nur ein bis zwei Tage. Alles, was länger aus Spanien oder Italien unterwegs ist, wurde für den Transport und nicht für den Geschmack
gezüchtet. Exzellente Sorten, die Obstbauern bei uns anbieten, sind zum Beispiel Senga Sengana, Gariguette, Mara de bois oder Mieze Schindler.

Zugegeben, Erdbeeren sind ein wenig kapriziös. Sie wachsen nicht punktgenau jedes Jahr zum selben Tag. Und scheint ein paar Tage keine Sonne, sondern fällt Regen vom Himmel, wird sich gerade die Erdbeere mit viel Wasser vollsaugen. Aber bei Hitze erlaubt sie uns sogar eine Portion Faulheit in der Küche. Denn sie mag keine Experimente und langen Behandlungsmethoden – sie steht für puren Genuss. 

Als Mädchen habe ich es geliebt, wenn meine Oma die sonnengereiften Erdbeeren und etwas Zucker mit der Gabel zu groben Stücken zerdrückte und mit eiskalter Milch aufgoss. Wenn dann noch ein Sommergewitter auf die heißen Steine im Hof platzte, wir barfuß durch die lauwarmen Gewitterpfützen stapften und anschließend die eiskalte Erdbeermilch löffelten, wussten wir, dass der Sommer auf seinem Höhepunkt ist.

Auch wenn es modern geworden ist, Erdbeeren mit Schokolade oder Balsamico zu mischen, gibt es für mich trotzdem kein besseres Paar als Erdbeeren und Sahne. Wie in dieser Erdbeerbiskuitrolle!

ERDBEERBISKUITROLLE

ZUTATEN

Für den Biskuitteig

4 Eigelb
4 Eßl. lauwarmes Wasser
200 g Zucker
1 Prise Salz
Etwas Abrieb einer Zitronenschale
1 Vanilleschote
4 Eiweiß
80 g Speisestärke
80 g Mehl
1 gestr. Teelöffel Backpulver
Für die Füllung

½ l Sahne
1 Teel. Puderzucker
500 g Erdbeeren

GUT ZU WISSEN

Eigelb reagiert empfindlich auf Kontakt mit Zucker oder Salz. Deshalb lässt man den Zucker bei laufender Maschine langsam einrieseln, damit sich keine harten Körnchen bilden, die sich nicht mehr auflösen.

Damit Eiweiß schön steif wird, unbedingt saubere und trockene Geräte benutzen. Das Eiweiß darf keinerlei Eigelbspuren enthalten. Zunächst mit mittlerer Geschwindigkeit schlagen, um möglichst viel Luft einzuarbeiten, dann auf höchster Stufe weiterschlagen.
Sobald sich am Schüsselrand Flocken bilden, etwas Zucker dazugeben, damit das Eiweiß nicht körnig wird. Beim Stürzen der Biskuitplatte muss das Backpapier sofort abgezogen werden. Bleibt es dennoch kleben oder geht nicht mehr gut ab, bepinselt man das Backpapier mit etwas Wasser. Dann lässt sich das Papier wieder leicht ablösen.

ZUBEREITUNG

Die Eier trennen und die Eigelbe mit dem lauwarmen Wasser und zwei Dritteln des Zuckers cremig schlagen. Das Eiweiß mit einer Prise Salz gut aufschlagen, dann den restlichen Zucker zugeben und auf höchster Stufe weiterschlagen, bis es sehr steif ist. Mit einem Löffel ein Drittel des Eiweiß unter die Eigelbmasse heben und gut vermengen. Das restliche Eiweiß auf einmal zugeben. Mehl darübersieben und unterheben.

Den Backofen auf 220 Grad vorheizen. Die Mischung auf einen Bogen mit Backpapier auf einem Blech glattstreichen und ca. 6 Minuten backen.

Ein großes Geschirrtuch mit Zucker bestreuen. Den Biskuit sofort vom Blech auf das gezuckerte Tuch stürzen. Das
Backpapier vorsichtig abziehen (gegebenenfalls mit einem nassen Pinsel nachhelfen) und sofort mit dem Tuch zu einer Rolle aufrollen. Sobald die Platte abgekühlt ist, kann man das Tuch aufwickeln. Der Teig bricht dann nicht mehr.
Die Sahne mit Puderzucker steif schlagen, evtl. mit etwas Orangenabrieb oder Vanille aromatisieren.

Die Erdbeeren klein würfeln und unter zwei Drittel der Sahne heben. Die Sahne verteilen, das obere Drittel aussparen. Alles wieder zu einer Rolle formen und mit der offenen Seite nach unten legen. Außen herum mit der restlichen Sahne bestreichen und mit halbierten Erdbeeren verzieren.

Ergibt ca. 15 Scheiben

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